Der Transistor

Jetzt wird es richtig interessant! Der Transistor ist das erste aktive Bauteil, das wir kennenlernen. Aktiv bedeutet, dass dieses Bauteil verstärken kann, also aus einem kleinen Signal ein größeres Signal machen kann. Er wurde 1947 von den drei ..... Physikern (!) John Bardeen, William Shockley und Walter Brattain entwickelt, die dafür den Physik-Nobelpreis bekamen. Der Transistor ist DAS Bauelement, das die moderne Elektronik erst möglich gemacht hat. Ohne Transistor gäbe es kein Handy, keinen PC, keine Smartwatch, keinen Laptop, keine Raumfahrt, kein WiFi, kein ChatGPT, kein Facebook, kein YouTube, kein WhatsApp, keine email, etc.
Der Transistor hat drei (!) Anschlüsse: Kollektor (wir verwenden ab jetzt die englische Schreibweise "Collector", weil dieser Anschluss immer mit "C" bezeichnet wird), Basis und Emitter und er kommt in zwei Varianten, als NPN oder PNP Transistor. Die könnt ihr an dem kleinen Pfeil unterscheiden: wenn er nach innen zeigt, ist es ein PNP Transistor. Merksatz:
Tut der Pfeil der Basis weh, dann ist es PNP!

Wassermodell

Die Basis ist der kleine Steuerkanal. Je nachdem, wieviel Wasser hier fliesst, wird die kleine Klappe mehr oder weniger aufgedrückt. Diese kleine Klappe ist mit der großen Klappe verbunden und betätigt diese. Fliesst in der Basis viel Strom, so wird die große Klappe weit geöffnet und es fliesst auch viel Strom zwischen Collector und Emitter. Der Strom zwischen Collector und Emitter ist aber viel stärker, als der in der Basis und daher verstärkt der Transistor. Und wenn der Strom in der Basis wellig ist (z.B. ein Audio-Signal), dann ist der starke Strom zwischen Collector und Emitter genauso wellig. Die Signalform bleibt erhalten.

Der Transistor ist ein Stromverstärker. Es fliesst ein kleiner Strom in der Basis und ein grosser zwischen Collector und Emitter.

Pinbelegung

Leider haben viele Transistoren unterschiedliche Pinbelegungen. Wir arbeiten heute mit dem BC547C.

Wir finden seine Pinbelegung per Google-Suche nach BC547C und stoßen auf sein Datenblatt.


Daraus entnehmen wir, dass seine Anschlüsse wie folgt sind:

Die Bezeichnung der europäischen Transistoren (wie es der BC547 ist) folgt einem Schema:

  1. Der erste Buchstabe bezeichnet das Material. Da kommen nur Germanium (A) und Silizium (B) in Frage. Heute sind fast alle Transistoren aus Silizium gefertigt und fangen daher mit einem B an. Vor 55 Jahren (1960–1970) wurden dagegen fast nur Germanium-Transistoren hergestellt, weil man Silizium noch nicht im Griff hatte. Unser BC547 ist also aus Silizium, einem Halbleiter, gefertigt. Silizium ist übrigens auch der Hauptbestandteil von Glas (Siliziumdioxid (SiO2)) und Sand (ja, der am Strand rumliegt: Siliziumdioxid SiO2), ist also massenweise auf der Erde vorhanden.
  2. Der zweite Buchstabe bezeichnet die Funktion des Bauteils:
    1. A = Diode
    2. B = Spezialdiode (Kapazitätsdiode)
    3. C = NF-Kleinsignaltransistor
    4. D = NF-Leistungstransistor
    5. F = HF-Kleinleistungstransistor
    6. L = HF-Leistungstransistor
    7. U = Schalttransistor
    8. Y = Gleichrichterdiode
    9. Z = Zener-Diode
  3. Dann folgt eine Nummer, wobei kleinere Nummern ältere Bauteile bezeichnen. So ist der BC108 älter als der BC547.
  4. Dann kann noch ein Buchstabe folgen, der typischer Weise die Stromverstärkung bezeichnet (also wie gut der Transistor verstärkt). A hat die schlechteste Stromverstärkung, B ist besser und C hat die höchsten Werte. Unser BC547C ist also der Beste! Wir können das auch im Datenblatt sehen.

Das Potentiometer (Poti)

Für unsere ersten Versuche mit dem Transistor brauchen wir nun also einen kleinen Steuerstrom für die Basis. Den könnten wir aus noch einem weiteren Netzteil beziehen, aber so viele Netzteile haben wir nicht. Da es nur ein sehr kleiner Strom sein muss, gibt es einen anderen Weg, nämlich ein Potentiometer. Das ist ein einstellbarer Widerstand:

Das ist schon wieder ein Bauteil mit drei Anschlüssen: zwei sind wie bei einem normalen Widerstand, aber nun haben wir einen Schleifer, den wir mit der Hand (eventuell mit einem Schraubendreher oder einer speziellen Plastikachse) von einer Seite zur anderen drehen oder schieben können.

Wir bauen obige Schaltung auf und beobachten das Messgerät, während wir am Poti drehen.


Mit dem Poti können wir also eine beliebige Spannung zwischen 0V (ground, Masse) und der Betriebsspannung (+10V) einstellen! Allerdings fliesst hier immer ein gewisser Querstrom (das ist ein eigentlich unerwünschter Stromfluss) über das Poti, auch wenn der Mittelanschluß garnicht angeschlossen ist.

Wenn wir ein 10k Poti und eine Betriebsspannung von 10V haben, wer kann mir dann ausrechnen, wieviel Querstrom fliesst?


Wir verwenden das Ohm'sche Gesetz: I = U / R
I = 10 V / 10 kOhm = 1 mA

Jetzt wollen wir wissen, ob wir richtig gerechnet haben und messen den Querstrom!

Wie steuern wir den Transistor?

Wenn wir einen Eingang mit zwei Anschlüssen haben und einen Ausgang mit zwei Anschlüssen, dann sind das vier Anschlüsse. Einer der drei Anschlüsse des Transistors muss also sowohl zu Eingang als auch Ausgang gehören. Es kann tatsächlich jeder dieser gemeinsame Anschluss sein. Nach diesem gemeinsamen Anschluss wird die Schaltungsart des Transistors bezeichnet. Jede Schaltungsart hat ganz bestimmte Eigenschaften.

Emitterschaltung

Am häufigsten wird der Transistor in der Emitterschaltung eingesetzt, weil er dabei die größte Verstärkung aufweist. Hier gehört also der Emitter sowohl zum Eingang als auch zum Ausgang. Das geht am besten, wenn der gemeinsame Anschluss auf Masse liegt. Wir werden mit dieser Schaltungsart arbeiten.

Der Testaufbau

Wir bauen obige kleine Schaltung auf, mit der wir dann einige Versuche machen werden.

Wir benutzen eine LED als Anzeiger, ob Strom durch den Transistor fliesst (zwischen Collector und Emitter). Wie jede LED braucht auch diese einen Vorwiderstand, damit sie nicht durchbrennt. Diese Funktion erfüllt R1. Wir haben ja schon die sehr steile Kennlinie gesehen, die wir durch R1 flacher machen, sodass wir die LED über einen weiten Spannungsbereich betreiben können. Der Transistor kann die LED steuern. Wie, werden wir noch sehen.

Ich habe die Manhatten-Methode gewählt, aber Reißnageltechnik oder Breadboard geht genauso.

MethodeVorteileNachteile
ManhattenAbschirmung nach unten
gute HF Eigenschaften
stabiler Aufbau
gut für dauerhafte Schaltungen
etwas aufwändiger im Aufbau
Herstellung der Inseln erforderlich (die könnten aber auch fertig gekauft werden)
Reißnageleinfacher Aufbau
stabiler Aufbau
keine Abschirmung
nur für NF
Breadboardsehr schneller Aufbau
Aufbau kann leicht geändert werden
gut für Experimente
keine Abschirmung
nur für NF
wackliger Aufbau
manchmal schlechte Kontaktgabe (Wackelkontakt)
Ihr wählt aus, was euch am besten zusagt!

Zuerst wird eine kleine kupferbeschichtete (kaschierte) Pertinaxplatte mit Schleifpapier sauber gemacht und von Oxidschichten befreit. So läßt sie sich später sehr gut löten! Dann werden kleine isolierte Inseln (ebenfalls aus kupferkaschiertem Pertinax) an den Stellen mit Sekundenkleber aufgeklebt, wo später die Verbindungen der Bauteile sein sollen. Dann werden die Bauteile aufgelötet. Für die Betriebsspannung löte ich kleine Bügel aus massivem Kupferdraht auf, an die man später leicht Krokodilklemmen anschliessen kann (siehe letztes Bild oben).

Die Verbindung zwischen Poti und Basis bleibt erst mal offen.

Wir schliessen die Betriebsspannung an!


Wir sehen: nichts (siehe 3. Bild oben)! Die LED bleibt dunkel. Der Transistor ist selbst-sperrend: ohne Strom durch die Basis läßt er zwischen Collector und Emitter auch keinen Strom fliessen.

Wir verbinden das Poti mit der Basis – über einen Schutzwiderstand

Wir dürfen das Poti nicht direkt mit der Basis verbinden, denn wenn das Poti ganz am oberen Ende ist, verbindet es den Schleifer direkt mit der Betriebsspannung. Da zwischen Basis und Emitter aber eine Diode liegt, würde diese durchbrennen, wir brauchen also auch hier einen Schutzwiderstand, wie auch bei einer LED. Da der Basisstrom sehr klein sein wird, kann der Schutzwiderstand R3 recht groß ausfallen: 470 kOhm. Wir bauen R3 nicht fest ein, sondern verbinden ihn über Krokobandl, damit wir die Schaltung hier auch wieder schnell ändern können.

Wir drehen am Poti und messen die Spannung am Poti-Schleifer, die Basisspannung, die Collectorspannung, den Basisstrom, den Gesamtstrom (oder den Strom durch die LED)


Wir machen einige Beobachtungen:

Zwei Dioden

Wir verwenden unser DMM im Dioden-Testmodus und messen die verschiedenen Anschlüsse des Transistors. Was sehen wir?


Wir messen, dass unser Transistor sich wie zwei Dioden verhält, so wie im oberen Bild in der Mitte für einen NPN-Transistor gezeigt. Wir haben einmal die Basis–Emitter Diode und auch die Basis–Collector Diode. Wenn die Basis positiv ist, kann jeweils Strom fliessen (vom Collector oder vom Emitter), andersherum, wenn die Basis negativ ist, nicht. Das merken wir uns.

Transistornachbau

Da der Transistor sich wie zwei Dioden verhält, bauen wir jetzt einen Transistor aus zwei Dioden nach.

Dazu löten wir den Transistor aus und zwei Dioden (2 x 1N4148) ein. Funktioniert das?


Leider verstärkt dieser "Transistor" nicht. Es kann kein Strom im Collectorkreis fliessen, da die obere Diode immer gesperrt ist. Nur die extreme Nähe zwischen Basis und Collector/Emitter im Inneren des Transistors ermöglicht es den Ladungsträgern über die Emitter—Collector Strecke in Sperrrichtung durch die Basis–Collector Diode zu fliessen. Das ist die bahnbrechende Entdeckung, für deren Erklärung es dann den Nobelpreis gab und die all unser Leben so nachhaltig verändert hat.

Er verstärkt!

Wir bauen die beiden Dioden wieder aus und ersetzen sie wieder durch unseren richtigen Transistor.

Ob der Strom, mit dem wir unsere Basis steuern, wohl auch alleine die LED schon zum Leuchten bringen würde? Wir probieren das aus!

Wir verbinden R3 statt mit der Basis mit dem Collector des Transistors.


Da der Transistor jetzt keinen Strom mehr in der Basis hat, sperrt er komplett und ist damit elektrisch nicht mehr in der Schaltung (wir müssen ihn also nicht extra auslöten). Wenn wir die LED ganz genau anschauen, sehen wir, dass sie ganz dunkel leuchtet (ggf. Umgebungslicht mit der Hand abschirmen), jedenfalls sehr viel schwächer, als bei Verwendung des Transistors. Das zeigt anschaulich, dass unser Transistor erheblich verstärkt.

Wir können auch testweise den Basis-Schutzwiderstand R3 durch andere Werte ersetzen (sollten aber nicht unter 1kOhm gehen, um den Transistor und das Poti nicht zu gefährden).

Bei einem kleineren Widerstand leuchtet die LED hell und wir können die Helligkeit direkt mit dem Poti einstellen. Wir bräuchten also für die LED garkeinen Transistor. Oft ist es aber so, dass wir nur einen sehr kleinen Strom zur Verfügung haben, den wir verstärken müssen und dafür nehmen wir dann den Transistor.

Regenalarm

Wir ersetzen Poti und 470k Schutzwiderstand durch ein Stück Löschpapier und einen 1k Schutzwiderstand.

Wir können Krokobandl verwenden, um das Löschpapier anzuschliessen. Wenn wir diese Schaltung nach draussen legen und es beginnt zu regnen, dann wird einer der ersten Regentropfen auch unser Löschpapier treffen, das sich vollsaugt. Wasser hat einen wesentlich geringeren Widerstand als trockenes Papier sodass nun ein kleiner Basisstrom fliessen kann, welcher die LED einschaltet.

Weil wir nicht auf Regen warten wollen, können wir einen Wassertropfen auf das Löschpapier fallen lassen. Schaltet das die LED ein?

Der magische Finger

Wir entfernen R2 und das Löschpapier (keine Verbindung mehr zur Basis) und berühren die Basis mit dem Finger.


Die LED leuchtet schwach, wenn wir die Basis mit dem Finger berühren. Warum? Das ist erst mal nicht klar, denn es kann ja offenbar kein Strom fliessen, weil der Stromkreis über den Finger nicht geschlossen ist.

Wir berühren die Basis und mit einem anderen Finger die +10V. Was passiert?


Die LED leuchtet deutlich heller, wenn wir auch noch die positive Betriebsspannung berühren. Die Erklärung dafür ist klar: wir haben ja schon den sogenannten Hautwiderstand gemessen (und können das mit dem DMM auch nochmal schnell machen): dieser liegt je nach Feuchte der Hände im Bereich einiger kilo-Ohm. Es kann also nun ein sehr kleiner Strom über unseren Körper fliessen, welcher den Transistor ansteuert. Dieser winzige Strom ist für uns ungefährlich, reicht aber, um nach Verstärkung die LED hell leuchten zu lassen.

Wir versuchen, den Strom über mehrere Kinder zu leiten, die sich an den Händen anfassen. Über wieviele Kinder kann der Strom fliessen? Was passiert, wenn jemand die Kette unterbricht? Brennt die LED auch, wenn wir statt der positiven Betriebsspannung die negative Masse berühren?

Das ist zwar lustig, aber hilft uns noch nicht bei der Erklärung, warum die LED schon mit nur einem Finger leuchtet. Wir müssen "stärkere Geschütze auffahren", die mehr als nur einen Wert anzeigen können: das Oszilloskop. Vielleicht hilft uns das.

Wir schauen uns das Signal am Collector mit dem Oszi an. Probiere DC und AC Kopplung und verschiedene X und Y Skalierungen.


Wir sehen am Collector ein sich wiederholendes Signal!

Woher kommt es? Welche Frequenz hat es? Wie kann man es beschreiben?


Im Bild beträgt die Zeit pro Kästchen 5ms. Eine Schwingung dauert genau 4 Kästchen, also 4 * 5ms = 20ms. Der Kehrwert der Periodendauer T ist die Frequenz: f = 1 / T = 1 / 20ms = 50 Hz. Die Frequenz beträgt also 50Hz und das ist der entscheidende Hinweis, denn in Europa beträgt die Frequenz des Wechselstroms in unseren Steckdosen und Leitungen 50Hz! Die Quelle sind also die Stromleitungen in den Wänden, welche kapazitiv auf unsere Körper koppeln und vom Transistor verstärkt wurden.

Der Transistor ist normalerweise gesperrt (weil er selbst-sperrend ist), aber wenn an der Basis der positive Teil der Schwingung liegt, dann beginnt er zu leiten und damit sinkt dann die Spannung am Collector. Das ist der Grund, warum wir nur "Huckel" nach unten (ins Negative) sehen.
Die Form sieht nicht sehr gut aus, aber mit sehr viel gutem Willen kann man vielleicht eine Halbwelle einer Sinusschwingung erkennen. Tatsächlich sieht der Strom aus der Steckdose heute kaum mehr wie ein Sinus aus, denn viele Verbraucher verzerren seine Form.
Die Amplitude (der Unterschied vom höchsten Punkt zum niedrigsten Punkt) beträgt (die Einstellung am Oszi sind 0.5V/Kästchen) ca. 0.7 * 0.5V = 0.35Vpp (das pp bedeutet peak-to-peak, also Spitze zu Spitze).

Jetzt schauen wir uns das Signal an der Basis an! Verwende die 1:1 probe und die 1:10 probe


Das Bild ist mit 5ms/cm in X und 2V/cm (mit der 1:10 probe, 10 MOhm Eingangswiderstand) in Y Richtung aufgenommen. Die Nulllinie ist die zweite grüne Linie in der Mitte. Die Amplitude beträgt also über 8Vpp! Wesentlich mehr, als am Collektor zuvor.

Plötzlich verstärkt unser Transistor nicht mehr, was ist los?


Hier wirken mehrere verschiedene Effekte zusammen und alle zu verstehen ist sehr wichtig und gibt uns tiefere Einblicke. Also:

  1. Die Basis-Diode lässt nur Strom fliessen, wenn die Basis positiver als der Emitter, der auf Masse (0V) liegt, ist. Und zwar um mindestens 0.6V positiver! Das sehen wir hier: die positiven (gehen nach oben) Halbwellen sind bei 0.6V "gekappt": die Spannung bleibt konstant (horizontale Linie!), weil die Diode im Durchlassbereich einen sehr kleinen (differentiellen) Widerstand hat (das kennen wir ja schon). Die Spannung bricht daher am Innenwiderstand der Spannungsquelle (unser Körper als Antenne oder Kondensator) zusammen, auf 0.6V.
  2. Im negativen Bereich (unter der Nulllinie in der Mitte) leitet die Diode dagegen nicht (sie sperrt) und daher wird hier die Spannung nicht belastet und kann voll ausschlagen, eben bis auf über 8V!
  3. Der Transistor ist ein Stromverstärker, kein Spannungsverstärker. Strom fliesst nur in den "gekappten" positiven Halbwellen, daher sieht man nur diese am Collector (als dann negative Halbwellen, da der Transistor in Emitterschaltung auch noch das Signal "umdreht"). Und was man am Collector sieht, ist der Verlauf des Basisstroms, nicht der Basisspannung. Und der Basisstrom ist hier sehr sehr klein, etwa 1µA.

Dies ist die Spannung an der Basis, 5ms/cm, 0.2V/cm, mit 1:1 probe (1MOhm) aufgenommen. Das sieht auf den ersten Blick ganz anders aus, aber schauen wir genauer hin:

Arbeitspunkt

Wie können wir aber nun das Signal von der Basis möglichst unverfälscht (aber verstärkt) an den Collector bekommen? Dazu müssen wir den sogenannten Arbeitspunkt unserer Transistorschaltung einstellen. Der Arbeitspunkt ist derjenige Zustand, der sich einstellt, wenn kein AC Signal eingekoppelt wird, wenn wir also nur DC Signale betrachten. Gehen wir noch einmal zu unserer Schaltung zurück:
Das Poti erlaubt uns, über R3, den Arbeitspunkt einzustellen, indem wir einen kleinen Basisstrom fliessen lassen. Der Basisstrom sollte gerade so groß sein, dass die Spannung am Collector ungefähr die halbe Betriebsspannung ist. Dann kann diese Spannung sowohl nach unten (negativ) als auch nach oben (positiv) um etwa den gleichen Betrag (die halbe Betriebsspannung) ausschlagen.

Wir stellen den Arbeitspunkt auf etwa 5V am Collector ein.


Wir sehen jetzt zwar beide Halbwellen (besser!) am Collector, aber immer noch mit nur der mickrigen Amplitude von ca. 0.4Vpp.

Ich hatte angegeben, dass der Strom aus der menschlichen Antenne ca. 1µA beträgt. Wenn unser Transistor ca. 400-fach verstärkt, so haben wir im Collectorkreis einen Wechselstrom von ca. I = 400µA. Mit dem Ohm'schen Gesetz ergibt das am Arbeitswiderstand R2 von 1k eine Spannungsänderung von

U = R * I = 1000 Ohm * 400µA = 400mV

und diese 400mV sehen wir auch. Das Ohm'sche Gesetz sagt uns, wenn der Strom I fest bleibt, dann muss der Arbeitswiderstand größer werden, damit die Spannungsänderung größer wird! Wie groß? Wieder hilft uns das Ohm'sche Gesetz! Wir wollen einen Spannungshub von ca. der Betriebsspannung (10V) erreichen, wenn sich der Strom um 400µA ändert, also

R = U / I = 10V / 400µA = 25kOhm

Um den Effekt noch zu vergrößern verdoppeln wir diesen Wert auf 47k.

Wir entfernen die Leuchtdiode und ersetzen erst mal den Arbeitswiderstand durch einen 47k. Wir stellen den Arbeitspunkt ein und beobachten das Signal am Collector mit dem Oszi.


Dies ist die Spannung am Collector, 5ms/cm, 2V/cm, mit 1:1 probe (1MOhm) aufgenommen. Je nach den Bedingungen erhalten wir nun am Collector bis zu knapp 10Vpp Amplitude! Wenn wir mit dem Finger fest drücken oder ihn etwas anfeuchten, damit er besseren Kontakt macht, dann gelingt es uns, den Transistor zu übersteuern (man sagt auch ihn "in die Sättigung zu treiben") und aus der annähernden Sinusschwingung wird eine annähernde Rechteckschwingung:

Der Wert von R3 = 470k (zusammen mit dem 10k Poti) begrenzt unseren Eingangswiderstand auf höchstens 480k, was recht wenig ist und macht die Arbeitspunkteinstellung recht frickelig.

Wir ersetzen R3 (bisher 470k) durch einen 10MOhm Widerstand R4.

Nun läßt sich zwar der Arbeitspunkt leichter einstellen, aber am Verhalten der Schaltung hat sich nicht wirklich etwas geändert. Das liegt daran, dass wir für die Betrachtung des Eingangswiderstands auch den Transistor mit einbeziehen müssen. In dieser Schaltung ist der Eingangswiderstand des Transistors nämlich recht gering.

Collectorschaltung (Emitterfolger)

Bei dieser Schaltung ist der Collector C der gemeinsame Pol. Daher muss er auf Masse oder auch + Betriebsspannung (für den Wechselstrom ist es egal, ob es Masse oder Plus ist, die Batterie schliesst den Wechselstrom kurz) liegen.

Die obigen Bilder zeigen links die schon bekannte Emitterschaltung und rechts die Collectorschaltung.

Wir bauen auf Collectorschaltung um, indem wir R5 in die Emitterleitung verlegen.

Wir stellen den Arbeitspunkt so ein, dass etwa die halbe Betriebsspannung (5V) an R5 liegt.

Wir messen wieder mit dem Oszi und schauen uns die Signale an, wenn wir die Basis mit dem Finger berühren.


In der Collectorschaltung, die oft auch Emitterfolger genannt wird, "folgt" der Emitter dem Potential an der Basis. Diese Schaltung hat keine Spannungsverstärkung (am Emitter sieht man das gleiche Signal wie an der Basis), wohl aber eine gute Stromverstärkung. Da der Emitter der Basis (mit einem offset von 0.6V, der Flussspannung) folgt, ist die Spannung zwischen Basis und Emitter konstant (ca. 0.6V) und unabhängig von der Eingangsspannung. Damit ist auch der Eingangsstrom unabhängig von der Eingangsspannung und das bedeutet, wieder mit dem Ohm'schen Gesetz:

R = U / I = dU / dI, dI = 0 => R -> unendlich

Das bedeutet, dass der Eingangswiderstand "nach unendlich geht" (Division durch Null!). Und das ist toll, weil wir nun am Ausgang die unverfälschte Kurvenform des Eingangssignals sehen können, obwohl dieses Eingangssignal sehr hochohmig ist. In der Realität stimmt das nicht ganz: die Spannung zwischen Basis und Emitter hängt schon ein wenig vom Basistrom (und damit der Eingangsspannung) ab, weil die Verstärkung des Transistors nicht unendlich sondern nur 400 beträgt. Dadurch muss für mehr Emitterstrom auch mehr Basisstrom fliessen, aber eben 400 mal weniger, was einem 400-fachen Widerstandswert entspricht. Der Transistor hat hier also einen Eingangswiderstand von ca.

R = 400 * R5 = 400 * 47k = 18.8MOhm!

Wenn wir jetzt noch den R4 = 10MOhm berücksichtigen, welcher wechselstrommäßig parallel zum Transistor liegt, dann bekommen wir einen Eingangswiderstand von

R = 1 / (1 / 10MOhm + 1 / 18.8MOhm) = 6.5MOhm

Die Bilder sind mit 5ms/cm und (von links nach rechts) mit 2V/cm, 0.2V/cm, 2V/cm aufgenommen.
Wir sehen links den Emitter (wobei es egal ist, ob wir die 1:1 probe oder die 1:10 probe verwenden, weil der Ausgangswiderstand nur ca. 47k beträgt, also sehr klein ist), Masse (0V) ist die untere grüne Linie, in der Mitte den Finger direkt an der 1:1 probe und rechts den Finger direkt an der 1:10 probe. Die 1:1 probe (mitte) mit nur 1MOhm Eingangswiderstand dämpft das Signal merklich, wir haben nur noch ca. 0.8Vpp und die feineren Details verschwinden. Die 1:10 probe (rechts) zeigt dagegen ein wesentlich stärkeres Signal (ca. 10Vpp) und auch viel mehr feine Details.

Wir messen mit dem zweiten Kanal des Oszis gleichzeitig die Spannung an der Basis und am Emitter und variieren diese mit dem Poti (oder legen den Finger auf die Basis).

Wir sehen, dass diese beiden Spannungen, bis auf einen offset von 0.6V, gleich sind.


Zurück